Pressemitteilung

Analoges Kabel: Konzertiert abschalten

Leipzig, 4. Mai 2017 – Bei den Medientagen Mitteldeutschland ging es heute auch um die Zukunft der Kabelnetze. Das Podium der Veranstaltung „Kabel – Wer steht wie zur Analogabschaltung?“ war gut besetzt: Inga Moser von Filseck (Vodafone), Michael Albrecht (ARD Digital) Andreas Gerhardt (Sport1), Martin Heine (MSA), Claus Wedemeier (GdW) und Florian Wissel (ProSiebenSat.1) tauschten rege Stanpunkte aus, nachdem Dietmar Schickel (DSC Dietmar Schickel Consulting) zunächst einen Überblick über den Stand der Dinge geliefert hatte. Moderiert wurde die Runde von Michael Kayser (BBC World News).

In seinem Impulsreferat ging Schickel vor allem auf den „Skandal von Hanau“ ein, der sich in allererster Linie dadurch ausgezeichnet hatte, dass er gar nicht stattfand. Unitymedia hatte in der hessischen Kleinstadt am 20. September letzten Jahres nämlich schon das getan, worauf der Rest der Republik noch wartet: Der Kabelnetzbetreiber hatte die analogen Fernsehprogramme abgeschaltet – und ein Sturm der Entrüstung blieb aus. Zudem machte er darauf aufmerksam, dass der Digitalisierungsgrad kontinuierlich steige, zuletzt auf 82,1 Prozent. Diejenigen, die heute immer noch analoges Fernsehen schauen würden, seien statistisch weiblich und über 60 Jahre alt, hätten ein kleines Einkommen und würden eher auf dem Land leben.

In der anschließenden Diskussion machte zunächst Claus Wedemeyer darauf aufmerksam, dass die Abschaltung des analogen Fernsehens seinen Mietern „keinen unmittelbaren Vorteil“ bringe – schließlich könnten sie ja schon jetzt digitales Fernsehen empfangen. Es gehe darum, diejenigen Mieter zu schützen, die wenig technikaffin seien, und zu verhindern, dass für die Mieter durch die Abschaltung zusätzliche Kosten anfallen oder irgendjemand auf einmal vor einem schwarzen Fernsehbildschirm sitze.

Das brachte das Gespräch ziemlich schnell auf den Konflikt zwischen der Digitalen Dividende, die eine Abschaltung mit sich bringt, und der Tatsache, dass aufgrund der Haltung der Wohnungswirtschaft das Beibehalten des analogen TV immer noch ein Wettbewerbsvorteil sei, den kein Netzbetreiber leichtfertig aufgeben wolle. Inga Moser von Filseck lobte aus Sicht der Kabelnetzbetreiber die gesetzlich festgelegten Termine zur Abschaltung in Sachsen und Bayern. „Ziel ist es, jetzt auch in allen anderen Ländern Rechtssicherheit zu schaffen“. Andreas Gebhardt wies darauf hin, dass es bereits jetzt Engpässe im Frequenzspektrum gebe. „Wenn nicht abgeschaltet wird, haben wir Abschmelzungen bei den Programmen“. Auch er plädierte für eine einheitliche Abschaltung.

Ein weiterer Diskussionspunkt war die Befürchtung, dass nach der analogen Abschaltung auch der unverschlüsselte digitale Standard irgendwann wegfallen könnte, und die Kunden nur noch kostenpflichtiges HD-TV empfangen könnten. Doch die Vertreter der Sender machten darauf aufmerksam, dass ihr Programm werbefinanziert sei und damit eine möglichst große Reichweite Teil ihres Geschäftsmodells sei. Daher würde eine Verschlüsselung für sie keinen Sinn machen.

Zum Abschluss plädierte Martin Heine für eine konzertierte Aktion aller Beteiligten – jedoch ohne den Gesetzgeber zu bemühen. Auf eines konnten sich aber alle Diskutanten einigen: Gute Kommunikation dem Kunden gegenüber ist wichtig.