Pressemitteilung

Big Data – Zwischen Wirtschaftsinteressen und Bürgerrechten

Leipzig, 6. Mai 2015 – Das Sammeln von Daten wird in der modernen Informationsgesellschaft immer wichtiger. Dass dabei nicht die Bürgerrechte auf der Strecke bleiben, ist eine Aufgabe für die Zivilgesellschaft und die Techniker gleichermaßen. Das war der Tenor einer Diskussion beim Medientreffpunkt Mitteldeutschland in Leipzig.

Dass es dabei keine hundertprozentige Sicherheit gibt, räumten auch die IT-Experten der Gesprächsrunde ein. So machte Prof. Eberhard Zehendner von der Universität Jena darauf aufmerksam, dass etwa die Hälfte aller Trojaner von herkömmlichen Antivirenprogrammen nicht erkannt wird. Aber auch bei der alltäglichen Nutzung des Internets fallen Daten an, die gesammelt werden. Das sei prinzipiell kein Problem, wenn das der Nutzer wisse. Dazu brauche man aber mehr Transparenz: „Wenn Daten gesammelt werden muss es der Betreffende auch wissen“, so Zehendner. Aber es kommt nicht nur auf das Wissen an. Peter Leppelt von der praemandatum machte darauf aufmerksam, dass die Nutzer auch kompetent sein müssen. Nur wenn jemand um die Gefahren wisse könne er sich entsprechend schützen. Wer freiwillig Daten veröffentliche müsse auch die Weiterverarbeitung akzeptieren. Eine wesentliche Frage sei zudem: Wo ist das Internet? Das Netz sei nämlich heute so weit verbreitet, dass es immer schwerer werde eine klare Grenze zu ziehen. Big-Data-Systeme können derzeit aus vielen gesammelten Daten entsprechende Schlüsse ziehen. Wichtig ist nach Ansicht von Professor Wolfgang Lehner aber, dass das Ergebnis dieser Analysen nicht für bare Münze genommen wird sondern die Grundlage oder Hilfe für die Entscheidungen von Menschen ist. Die letzte Entscheidung soll immer der Mensch treffen. Leider trifft diese Forderung nicht auf die Realität zu, stellte Peter Leppelt fest. Er habe die Erfahrung gemacht, dass sich die Kunden, die sich solch teure Big-Data-Systeme zulegten, blind auf deren Ergebnisse vertrauten. Das sei insbesondere dann ein Problem, wenn ein falsches Ergebnis ermittelt werde. Zudem sind Leppelt  Unternehmen die zu viele Daten sammeln, wie beispielsweise Google, zu mächtig. Um persönliche Daten zu schützen gebe es aber vielfältige Möglichkeiten. Eine recht wirkungsvolle sei die Verschlüsselung.  Auch die Anwendung quelloffener Programme sei ein guter Weg. Dem stimmte auch Professor Lehner zu. Dazu bedürfe es aber Technikkompetenz und die müsse sich der Nutzer zulegen. Auch mehrere e-Mail-Adressen seien ein guter Weg, seine Daten weit zu streuen. Für Lehner lief die Diskussion dann aber doch ein wenig zu negativ. Schließlich sei Big Data auch eine große Chance. So gebe es vielfältige Anwendungen in der Medizin oder Biotechnologie, die einen großen Nutzen hätten. Dem stimmte auch sein Kollege von der Uni Jena zu. Dennoch müsse man auch die Risiken sehen, sagte Zehendner. So seien die Mautbrücken auf den deutschen Autobahnen anfänglich nur zur Erfassung von LKW vorgesehen gewesen. Wenig später gab es Bestrebungen diese Technik auch zur Strafverfolgung zu nutzen. Daher müsse man bei jeder Technologie vorausschauen. Big Data könne nicht zwischen richtigen und falschen Daten unterscheiden und das sei ein großes Risiko. Dem stimmte auch Leppelt zu und machte auf einen weiteren Punkt aufmerksam. Der faire Umgang mit Daten sei letztlich ein sehr starkes Werbeargument für Kunden. Und in diesem Bereich sei Europa den USA voraus, da Datenschutz in Übersee nicht so wichtig zu sein scheint. Zudem sei ein „TÜV für die IT-Branche“ vielleicht ein weg, um Unternehmen zu mehr Datenschutz zu zwingen, regte Professor Zehendner an. Auch eine stärkere Strafverfolgung kann sich der IT-Fachmann vorstellen und forderte eine klare Positionierung von der Politik. „Dann muss man eben auch gegen die vorgehen, die sowas machen“, sagte er in Hinblick auf die NSA-Affäre. Außerdem sei es nötig, die Infrastruktur kleinteiliger zu gestalten. Denn dann hätten Ausfälle bei Computersystemen auch kleinere Auswirkungen. Beim Blick in die Zukunft zeigte sich Professor Lehner dann aber wieder optimistisch. Es gebe Technik, die nachweisen könne, ob Systeme so funktionierten wie sie sollen. Außerdem seien Forscher dabei, Systeme zu entwickeln, die einen sicheren Kern hätten. Ein Restrisiko bleibe aber immer bestehen. Und auch den absoluten Datenschutz werde es vielleicht nie geben. Die einzige Chance ist es, die Risiken so klein wie möglich zu gestalten, waren sich die Diskussionsteilnehmer am Ende einig.