Pressemitteilung

Der Sport braucht die Medien und die Medien den Sport

Leipzig, 3. Mai 2017 – Der Sport braucht die Medien und die Medien den Sport. Das war das Resümee einer Diskussion „Medien im Umgang mit kommerziellem Sport“ auf den Medientagen Mitteldeutschland am Mittwoch in Leipzig. „Die Öffentlich-Rechtlichen haben natürlich eine sehr große Reichweite und deshalb sind sie wichtig für uns”, sagte Oliver Mintzlaff, Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer der RasenBallsport Leipzig GmbH. Das sah auch Michael Kölmel, Geschäftsführer der Weltkino Filmverleih GmbH, so. Andersherum sei das aber nicht so. „Die Öffentlich-Rechtlichen brauchen keinen Fußball.” Mit dem Geld, was der Fußball koste, könnten ARD und ZDF bessere Sachen machen, zum Beispiel gute Filme kaufen. Aber leider bestimme der Fußball die Medien und mit Fußball könne man ein Unternehmen nach vorn bringen. Hier stimmte ihm Kurt Beck, Vorsitzender des ZDF-Verwaltungsrates, zu. Das könne man auch an der Aufstockung der WM-Endrunde auf 48 Mannschaften sehen. Wenngleich dadurch auch kleinere Länder die Chance hätten dabei zu sein. „Sport ist aber mehr als Kommerz”, sagte der ehemalige SPD-Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz. Sport sei auch eine Bindekraft für die Gesellschaft. Deshalb hätten auch die Chefs in den Sportverbänden eine Verantwortung. Sie müssten zwischen finanziellem und öffentlichem Interesse abwägen, so Beck. Hier stimmte ARD-Sport-Koordinator Axel Balkausky zu. Die Verbände sollten schauen, ob andere Anbieter eine genau so professionelle Berichterstattung leisten könnten wie die Öffentlich-Rechtlichen. Das gehe bei der Berichterstattung über Randsportarten los und betreffe auch das Umfeld der Sportveranstaltung. „In Rio haben wir auch die Sachen beleuchtet, die jenseits der Stadien passiert sind“, sagte Balkausky.

Beck sieht weitere Gefahren, wenn Sport nur noch von den Privaten gezeigt wird. Das sei das Ende des Sportjournalismus und die Spielregeln könnten sogar im Sinne von Sponsoren oder Rechteinhabern verändert werden. Hier konnte Mintzlaff nur mit dem Kopf schütteln. „In Deutschland wird immer alles schlechtgemacht. Alle sehen nur das Negative“, sagte er. Der Markt reguliere das schon. „Wer Rechte haben will muss zahlen, das ist normal. Aber nur Kommerz ist auch nicht gut, wenn nur eine Minderheit Zugang hat.“ Diese Gefahr sieht Michael Kölmel nicht. Im Gegenteil: „Alle reden bei ARD und ZDF von Free-TV, dabei muss man für die auch bezahlen.“ Er habe das einmal durchgerechnet. Man könne alle interessanten Inhalte, Filme, Sport, Zeitungen oder Spiele mit einer Flat für 15 Euro im Monat anbieten, wenn die Zahl der Abonnenten groß genug sei. Das werde auch kommen, da sei er sicher. Das hänge letztlich auch von den Verbänden ab, sagte Balkausky. Die ARD arbeite eng mit den Sportverbänden zusammen, zum gegenseitigen Vorteil. Dabei gehe es nicht nur um Fußball, der nur etwa 20 Prozent der Sportberichterstattung ausmache. Dass die wichtigen Sportevents nur noch im Bezahlfernsehen zu sehen sein werden, glaubt dagegen Mintzlaff. „In zehn Jahren gibt es keinen Fußball mehr im öffentlich-rechtlichen Fernsehen“, zeigte sich der RB-Leipzig-Manager sicher. „Wenn wir uns die Entwicklung in Deutschland anschauen, glaube ich nicht, dass Pay-TV so enorm steigen wird“, konterte ARD-Mann Balkausky. Kölmel sagte, „Amazon wird in Zukunft die Bundesliga übernehmen und vielleicht für drei Euro anbieten“ und erntete Gelächter aus dem Publikum. Spätestens jetzt musste sich Beck melden: „Sie sollten die Leute nicht für dumm verkaufen. In diesem Geschäft wird rausgeholt, was rauszuholen ist.“ Wichtig sei für ihn letztlich immer die Abwägung der Interessen der Bürger gegen die der Unternehmen. „Dabei müssen wir immer fragen: Was nützt es der Mehrzahl der Leute?“