Pressemitteilung

Die Zukunft des Autofahrens ist digital

Leipzig, 10. Mai 2016 – Die digitale Revolution geht am Auto nicht spurlos vorbei. Die Zahl potentieller Anwendungen ist riesig und reicht vom Vernetzen der Verkehrsteilnehmer zwecks Stauvermeidung bis hin zum personalisierten Unterhaltungssystem für die Passagiere. Dem Thema Smart Cars widmete sich eine Podiumsdiskussion beim Medientreffpunkt Mitteldeutschland.

Schon im Jahr 2018 werden nahezu alle neuzugelassenen Fahrzeuge vernetzt sein, prognostiziert Eduard Scholl (Consultant bei Goldmedia) in seinem einführenden Referat. Ob auf Basis des Smartphones, das mit dem Auto verbunden wird, oder als integriertes Bord-System ganz ohne Smartphone – für Autokäufer wird das Entertainment-System zu einem immer wichtigeren Aspekt bei der Kaufentscheidung. Bereits heute würde der CD-Player zunehmend aus den Autos verdrängt; stattdessen würden Audio-Dienste – vor allem Musik – von Streaming-Anbietern bezogen.

Dr. Helge Neuner, Leiter der Abteilung Fahrerplatz in der Konzernforschung von Volkswagen, schildert daraufhin, was das vernetzte Auto heute sei und was es in Zukunft sein könnte. Bis dato seien im Auto vor allem Funktionen zur Verfügung gestellt worden, die Kunden von außerhalb bereits kennen. In Zukunft würden neue Funktionen hinzukommen, wie automatisierte Parkplatzsuche, verbesserte Navigation etc., was alles umso besser funktionieren werde, je mehr Autos vernetzt wären. Automatisiertes Fahren auf Autobahnen und somit Stauvermeidung sei am Ende dieses Jahrzehnts bereits realistisch. Das völlig automatisierte Fahren stünde dagegen noch vor vielen technischen Hürden.

Ein Problem seien extrem detaillierte Kartendaten, die für die automatisierte Navigation notwendig seien. Das bekannte GPS-System hätte eine viel zu große Toleranz von vier bis fünf Metern, so Michael Bültmann, Geschäftsführer von HERE, einem Unternehmen, das diese Daten erstellt und bereitstellt. Bültmann erwartet keine Revolution. Die Aufmerksamkeit des Fahrers werde auch in absehbarer Zukunft der Straße gewidmet sein müssen.

Dr. Andreas Festag, Forschungsgruppenleiter am Vodafone Stiftungslehrstuhl der TU Dresden, weiß noch nicht zu sagen, welches System die Autos schließlich vernetzen wird. Derzeit konkurrierten DAB, Mobilfunk und WLAN bzw. ergänzen sie sich gegenseitig. Es bleibe spannend, wie das System der Zukunft unter Bedingungen noch schnellerer Datenübertragung (Stichwort 5G) aussehen wird. Zugleich warnte Festag vor den Risiken der Digitalisierung; die Anfälligkeit für Hackerangriffe und unautorisierte Fremdsteuerung sei nicht zu unterschätzen.

Dr. Chris Weck, Leiter Hauptabteilung Technik und Infrastruktur beim Deutschlandradio, schätzt die Frage, welche Rolle das Radio beim Auto-Entertainment der Zukunft spielen werde, optimistisch ein. Bis heute sei es das meistgenutzte Medium im Auto und auch in Zukunft werde es als Nachrichten-Medium nicht wegzudenken sein, weil es zuverlässig die relevanten Themen filtert. Das einzige, was man wird vermissen müssen, sei das Rauschen.

Zum Schluss listet der Moderator Sebastian Artymiak  (VPRT) auf, was der Autofahrer der Zukunft wohl verlernen wird: Straßenkarten lesen, Einparken, Reifenwechsel etc.