Pressemitteilung

Fernsehen aus der Cloud - Muss auch das Internet reguliert werden?

Leipzig, 2. Mai 2017 – Das Fernsehen der vierten Generation, auch Cloud-TV genannt, wird den deutschen Fernsehmarkt umwälzen. Das war die einhellige Meinung einer Expertenrunde bei den Medientagen Mitteldeutschland am Dienstag in Leipzig. TV-Inhalte aus dem Internet abzurufen, sei für die Nutzer leichter. Vor allem brauche man als Fernsehzuschauer keine spezielle Technik. Ein digitales Endgerät reiche aus, sagte Professor Arnold Picot, Leiter der Forschungsstelle für Information, Organisation und Management an der Ludwig-Maximilian-Universität München. Anders sehe es bei den Anbietern der digitalen Inhalte aus. Diese müssen laut Picot erst einmal sehr viel Geld investieren, um die Dienste anbieten zu können. Um das refinanzieren zu können, würden wiederum sehr viele zahlende Nutzer gebraucht. „Deshalb ist bei diesem Modell die Gefahr der Oligopolisierung oder sogar Monopolisierung sehr groß“, sagte der Münchner Medienforscher. Aber nicht nur wegen der hohen Kosten sieht Picot das klassische Fernsehen noch nicht am Ende. Auch Gewohnheiten änderten sich nur langsam. „Das Programmfernsehen wird es noch lange geben“, sagte er.

Das sieht auch Jochen Fasco, Direktor der Thüringer Landesmedienanstalt so. Dennoch glaubt er, dass die Medienkontrolleure in Zukunft auch ein Auge auf die neuen Inhalte des Cloud-TV werfen sollten. „Internet ist ein Zukunftsmedium, das Regulierung verlangt“, sagte der Thüringer Medienwächter und schränkte gleichzeitig ein: „Wir sollten das erst einmal beobachten, bevor wir gleich wieder irgendwelche Hürden aufstellen.“ Doch letztlich sind für Fasco die Maßstäbe für das Cloud-TV oder andere TV-ähnliche Inhalte im Netz nicht anders als bei den bisherigen Medien.

Birgit Stark, Professorin für Kommunikationswissenschaft Johannes Gutenberg-Universität Mainz, hakte hier ein und sagte in Richtung der Medienkontrolleure, dass nicht zu lange zugeschaut werden solle. „Denn dann haben wir Entwicklungen wie bei Facebook, wo wir jetzt Probleme rechtlich eindämmen müssen.“ Dennoch, sagte die Medienwissenschaftlerin, informierten sich die Deutschen nach wie vor mehrheitlich, nicht wie US-Bürger über Facebook, sondern ganz klassisch übers Fernsehen.

Michael Jaschke, Gründer und Chef der Glomex GmbH und Geschäftsführer der ProSiebenSat.1 Digital GmbH, wollte weniger über Gefahren und Regulierung als über die Chancen reden, die das Fernsehen aus der Cloud bietet. Globale Player wie Youtube oder Facebook seien nicht zu schlagen. Jaschke hat da eine andere Idee: „Etwa 55 Prozent der Videoabrufe im Internet in Europa laufen über Facebook und Youtube. Uns interessieren deshalb die 45 Prozent, die auf anderen Plattformen angeschaut werden.“ Seine Firma will Internetinhalte nicht auf einer eigenen Plattform anbieten, sondern für andere Webseiten zur Verfügung stellen. „Dort können sie abgerufen werden, beispielsweise kann man auf einer Angler-Webseite Videos anbieten, die mit dem Thema zu tun haben.“ Das sei viel effizienter, als über eine Seite wie Youtube die Filme anzubieten, denn bei der Anglerseite gebe es eine Verbindung zu den Videoinhalten und der Nutzer suche aktiv diese Seite aus und klicke dann den Film an. „Das wollen wir umsetzen und damit ausschließlich Premiuminhalte anbieten“, so Jaschke. Finanzieren will das deutsche Unternehmen den Dienst über Werbung.