Pressemitteilung

Fernsehen: Trennung zwischen linear und zeitversetzt wird weniger wichtig

Leipzig, 3. Mai 2017 – Die immer stärkere Nutzung von TV-Inhalten über das Internet stellt die Fernsehsender vor neue Herausforderungen. Das wurde auf der Podiumsdiskussion „Herausforderung Cloud-TV – Technologische Strategien der Sender“ auf den Medientagen Mitteldeutschland am Mittwoch in Leipzig deutlich. Dabei sei die Trennung zwischen linearem Fernsehen und zeitversetztem Fernsehen über Mediatheken und andere Plattformen immer weniger wichtig.

„Die Frage linear oder nichtlinear langweilt mich zu Tode”, sagte Heidi Schmidt, Chefin von ARD Online. Sie ärgere deswegen, dass „wir in der Mediathek keine Filme zeigen dürfen, die im Fernsehen liefen.” Die ARD habe doch die Senderechte gekauft. Auch die Regelung, Inhalte nur einen bestimmten Zeitraum zeigen zu dürfen, sei mit Blick auf den Gebührenzahler nicht zu vermitteln. Das sah auch Christian Zabel, Professor für Innovationsmanagement und Unternehmensführung an der Technischen Hochschule in Köln, so. Das sei für den deutschen Markt eigentlich kein Problem. Der wirkliche Druck auf die privaten und die öffentlich-rechtlichen Sender käme nämlich von außen und heiße Netflix, Amazon oder Youtube. Hier bestehe Regelungsbedarf. Doch das sei ungleich schwerer, denn die Regulierer wüssten nicht einmal, wie viele Youtube-Kanäle es in Deutschland überhaupt gebe. Auch Facebook zu regulieren, sei praktisch unmöglich, da der Konzern keine Daten herausgebe.

Dass man dennoch gegen die internationale Konkurrenz bestehen könne, glaubt Robert Amlung. Denn diesen Anbietern fehle, was die deutschen hätten: lokale Angebote und regionale, kulturelle Eigenheiten, sagte der Beauftragte für Digitale Strategien beim ZDF. Wenn überhaupt reguliert werden müsse, dann EU-weit, glaubt Amlung. In Bezug auf die neuen TV-Inhalte müssten Sender umdenken. „Wenn ich ein Online-Nachrichtenportal machen will, brauche ich mehr Leute und Geld als im herkömmlichen TV. Denn online ist die Kernzeit von 6 Uhr bis 24 Uhr.“ Die Frage sei dann, wo man das Geld wegnehme, um es woanders besser zu verwenden. Dieses Umdenken habe in den Redaktionen schon begonnen, sagte Heidi Schmidt. Ein solcher Prozess sei aber schwierig.

Christoph Golla, Head of Distribtion Legal New Services ProSiebenSat.1 Media, sagte, bei seiner Sendergruppe verzahne man lineare und Onlineangebote. So sei das Format „Germanys next Topmodel“ sowohl im normalen TV als auch online sehr erfolgreich. Auch in Zukunft werde es lineares Fernsehen geben, wenngleich das Cloud-TV immer mehr Anteile bekommen werde. Auch Zabel sieht diese Entwicklung: „Cloud-TV wird Alltag werden.” Für Heidi Schmidt ist es letztlich egal, wie man die verschiedenen Ausspielwege definiert. Für sie ist „Fernsehen, wo Leute fernsehen“ und sie hoffe, dass es die ARD auch noch in ein paar Jahren als Fernsehanbieter gibt.