Pressemitteilung

Karola Wille: „Wir werden die Eckpunkte mit Leben füllen.“

Leipzig, 11. Mai 2016 – Für die ARD sind Produzenten ein wichtiger Partner zur Erfüllung ihres öffentlich-rechtlichen Auftrags. Mit den neuen Eckpunkten 2.0 hat die ARD daher eine Selbstverpflichtungserklärung für ausgewogene Vertragsbedingungen mit den Produzenten sowie eine faire Aufteilung der Verwertungsrechte beschlossen. Wie sehen die wichtigen Verbesserungen im Detail aus? Diese und andere Fragen diskutierte am Mittwoch die Vorsitzende der ARD Dr. Karola Wille mit dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Allianz Deutscher Produzenten – Film & Fernsehen Dr. Christoph Palmer und dem Vorsitzenden des Filmverbands Sachsen Joachim Günther im Rahmen des Medientreffpunkt Mitteldeutschland. Die in Zusammenarbeit mit der Produzentenallianz realisierte Veranstaltung moderierte der Publizist und Medienberater Uwe Kammann.

Die neuen Eckpunkte bezeichnete Karola Wille als „ein deutliches Signal, das sich was bewegt hat“. Ziel der öffentlich-rechtlichen Auftraggeber seien „Qualitätsproduktionen“, diese lassen sich aber nur unter Anerkennung der Rahmenbedingungen von Produktionen realisieren. So werden künftig zahlreiche Berufsbilder wie beispielsweise Producer oder etwa projektbezogene Rechtsberatung kalkulationsfähig.

Die ARD hatte für die Eckpunkte viel Lob von Seiten der Produzenten erhalten – allerdings mit der Bitte verbunden, „das neue Papier auch zu leben“, so Christoph Palmer. Den Praxistest hätten die Eckpunkt noch nicht bestanden, so Palmer weiter, nun müssten die Produzenten auch „durch die geöffnete Tür hindurchgehen“. Im praktischen Umgang mit den neuen Eckpunkten würden sich allerdings noch „viele große Fragezeichen“ auftun, sagte Joachim Günther. Nach der Veröffentlichung der Eckpunkte „sind wir in einer gemeinsamen Phase des Suchens“, die mit Unsicherheiten verbunden sei.

Neben dem „Kalkulationsrealismus“ bildet das sogenannte „Schichtenmodell“ eine zweite wichtige Säule in den neuen Eckpunkten: In „Korridoren“ wird die Werthaltigkeit von Rechten beziffert, die ein Produzent durch Mitfinanzierung erwerben und selbst verwerten kann. Insbesondere die großen Mitglieder der Produzentenallianz hätten zwar ein Lizenzmodell nach britischem Vorbild präferiert, viele kleinere und mittlere Produzenten seien aber sehr zufrieden mit der gefundenen Lösung, die zwar „ungeheuer kompliziert“ sei, aber dennoch viele Elemente des Lizenzmodells enthalte und auf diesem Weg unternehmerisches Handeln fördere, so Christoph Palmer. Der Entscheidung gegen ein Lizenzmodell lag auch die Beobachtung einer starken Marktkonzentration im britischen Produzentenmarkt zugrunde, betonte Karola Wille: „Wir wollten den Weg so nicht gehen“.

Die Mehrkosten für die in den Eckpunkten geregelten Felder sowie für die angemessene Vergütung im Urheberbereich wurden von der ARD bei der KEF für die nächste Beitragsperiode ab 2017 angemeldet. Von dem bezifferten zusätzlichen Bedarf in Höhe von 200,8 Mio. Euro hat die KEF in ihrem 20. Bericht 146,6 Mio. Euro anerkannt. In Hinblick auf die Finanzierungslücke erklärte Wille, dass die Frage der angemessenen Urhebervergütung unklar sei. „Wir werden die Eckpunkte mit Leben füllen“, so die MDR-Intendantin abschließend.