Pressemitteilung

Medien: Raus aus der Komfortzone

Leipzig, 3. Mai 2017 – In der Diskussionsrunde „Wie Medien über Medien berichten“  der Medienanstalten im Rahmen der Medientage Mitteldeutschland ging es um die Selbstreflexion der Medien und u.a. um die Fragen, wie Medien auf aktuelle mediale Entwicklungen reagieren und was sie besser machen sollten.

Zunächst stellt Cornelia Holsten, Direktorin der Bremischen Landesmedienanstalt  und Koordinatorin des Fachausschusses Regulierung bei der DLM, mit Verweis auf den heute präsentierten aktuellen Content-Bericht der Landesmedienanstalten fest, dass politische Themen bei den privaten TV-Sendern einen größeren Raum einnehmen, dass demnach junge Menschen mehr Interesse an Politik haben, als vielfach angenommen wird.  Michael Wulf, RTL-Chefredakteur und verantwortlich für Nachrichten, erklärt seine Strategie: Er vertrete einen breiten Politik-Begriff, der dem Publikum entgegenkommt. Politik sei nicht nur das, was in Berlin passiert, sie sei auch im Alltag der Menschen zu spüren. Deshalb bemühe sich RTL, Politik herunter zu brechen auf das, was die Menschen angeht.  Über andere Medien werde in den Medien sehr zurückhaltend berichtet, zu kritiklos. Die Journalistin Silke Burmester wünscht sich in dieser Hinsicht mehr Offenheit und Kritikfähigkeit.

Richard Gutjahr (Journalist und Blogger) benennt als Problem des Journalismus, dass er in einer Blase lebe. Zwischen ihm und dem Publikum gebe es einen „digitalen Graben“, den er dringend überwinden müsse.

In der Folge fragte die Moderatorin Sarah Pust (Digitalberaterin und Journalistin), was die Medienanstalten und die Medien selbst gegen Hate Speech und Fake News tun können.  Empfohlen wird vor allem eine Besinnung auf die traditionellen Tugenden des Journalismus. Tatsächlich würden diese auch von Medienprofis, die es besser wissen müssten, oft mit Füßen getreten, beklagt Silke Burmester, wodurch das Vertrauen in die etablierten Medien fahrlässig verspielt werde. Richard Gutjahr pflichtet ihr bei. Weil heute direkt und öffentlich auf journalistische Beiträge reagiert werde, müssten sich Journalisten dieser Kritik auch stellen, statt beleidigt zu sein. „Auch die Profis müssen lernen.“ Und vor allem mehr zuhören.

Statt über andere Medien zu klagen, meint Cornelia Holsten, sollten Journalisten „aus der Komfortzone herauskommen“, sich bewusst werden, dass es eine Spaltung der Gesellschaft gebe oder dass diese drohe, und sie überwinden helfen, indem man stärker auf die Menschen ein- und zugeht. Auch Michael Wulf beklagt eine zu große Distanz zum Publikum, die durch die Digitalisierung verstärkt werde. Deshalb muss man zu den Menschen hingehen und in der Berichterstattung stärker auf Fakten, weniger auf Emotionen setzen.