Pressemitteilung

Mehr Meinungsvielfalt in alten und neuen Medien

Leipzig, 2. Mai 2017 - Am Dienstag Nachmittag wurden in der media city leipzig die Medientage Mitteldeutschland 2017 eröffnet. Vom 2. bis 4. Mai diskutieren namhafte Vertreter aus Politik, Medien, Wirtschaft und Wissenschaft unter der Überschrift: „Alles neu? Europas Kultur und seine Medien“ Themen wie die Sicherung der lokalen und regionalen Vielfalt von Medienangeboten, die Einführung und Entwicklung von DAB+ oder die Folgen des Brexit für den europäischen Medienmarkt.

Eröffnet wurden die Medientage Mitteldeutschland von Michael Sagurna, Vorsitzender der AG Medientage Mitteldeutschland und Präsident des Medienrates der SLM im Rahmen der Posiumsdiskussion „Am Anfang war das Buch“. Nach der „Dauerübergangszeit ins Internet folgt jetzt die umfassende Digitalisierung des Lebens“, so Sagurna.  Durch stetige technologische Innovationen seien Politik und Regulierungsbehörden ständig aufs Neue herausgefordert und gezwungen, den medialen Entwicklungen hinterherzulaufen. So stellt sich die Frage, wer künftig die mediale Inhalteverbreitung verantwortet.

So wies Burkhardt Jung (Oberbürgermeister der Stadt Leipzig) in seinem Grußwort auf die radikalen Veränderungen hin, die sich durch die sozialen Medien ergeben hätten. Häufig würden Menschen nicht mehr zwischen Fakten und Meinungen unterscheiden können, wie Jung aus seiner Erfahrung in Bürgersprechstunden berichtete. Ob die Medien in ihrer gegenwärtigen Verfassung weiterhin als Fundament der Meinungsbildung dienen können, sei fraglich, so Jung weiter.

 

Dass den klassischen Medien nach wie vor eine große Bedeutung zukommt - gerade in Zeiten, in denen „die gut geordnete Medienwelt durch das Internet in Frage gestellt wird“ - betonte  Dr. Reiner Haselhoff (Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt) in seinem Eingangsstatement. Die neuen Medien würden die alten nicht verdrängen, vielmehr würde sich ein „duales“ Nutzungsverhalten etablieren. Allerdings sollten sich Journalisten und Medienmacher fragen, warum das Vertrauen der Menschen in die Medien schwindet.

In der anschließenden Diskussionsrunde, durch die Patrik Schwarz (Geschäftsführender Redakteur der ZEIT und Herausgeber ZEIT im Osten) führte, machte Haselhoff deutlich, dass viele Menschen sich nicht mehr in den Medien vertreten sehen. Bestimmte Themen würden aus ihrer Sicht nicht mehr zugelassen werden und sich in der Folge in Wahlentscheidungen ausdrücken. Demokratie sei zwar eine Kulturleistung, aber zugleich auch ein „fragiles Konstrukt“, so Haselhoff.

Marlehn Thieme (Vorsitzende des ZDF-Fernsehrats) berichtete vor diesem Hintergrund von den Erfahrungen nach der Neuzusammensetzung des ZDF-Fernsehrats. Das Gremium sein „jünger geworden“ und würde neue Akzente in der Vermittlung medialer Inhalte setzten sowie Minderheitenpositionen stärker berücksichtigen. Die Umstrukturierung war dem Fernsehrat durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts auferlegt worden.

Ein wesentlicher Bestandteil des Urteils vom März 2014 sei es gewesen, den Einfluss der Politik geringer zu machen, so Prof. Dr. Ferdinand Kirchhof (Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts). Kirchhof zeigt sich „mit dem Urteil und was es praktisch bewirkt hat sehr zufrieden“ und betonte die gestärkte Rolle von gesellschaftlichen Gruppen in den Gremien.