Pressemitteilung

Nach dem Brexit: Keine Dogmatismen, sondern Pragmatismus!

Leipzig, 3. Mai 2017 – Am Mittwoch sprachen Branchenkenner und Experten im Rahmen der Medientage Mitteldeutschland über die Folgen des Brexit für den europäischen Medienmarkt. Nachdem der Brexit beschlossene Sache ist, stellen sich nun Fragen wie: „Welche Auswirkungen erwarten die Medienmacher?“, „Wie stellen sich maßgebliche Akteure auf die Veränderungen ein?“ und „Wer stellt die Weichen für die zukünftige Zusammenarbeit?“. Durch die spannende Diskussion führte Andreas Jörger (Arte).

Anders als in Kontinentaleuropa hat die britsche Medien- und Entertainment-Wirtschaft eine außerordentliche Bedeutung für die britische Wirtschaft, führte Dr. Alexander Coridaß, Geschäftsführer von ZDF Enterprises, aus. Dies werde auch in Zukunft so bleiben, so Coridaß weiter, allerdings rechnet er in drei Bereichen mit einer Schwächung, die dem kontinentaleuropäischen Medienmarkt zu Gute kommen könnten: Viele Unternehmen werden gezwungen sein, die „Drehscheibe“ London zu verlassen, zudem werden britische Produktionen u.U. nicht mehr genutzt werden, um  „europäische Quoten“ zu bedienen und schließlich könnte die britische Medienindustrie an Anziehungskraft für kreatives Potenzial einbüßen.

Dr. Stefan Kraus, Leiter der BREXIT Expertengruppe Legal Issue der British Chamber of Commerce in Germany (BCCG), machte deutlich, wie weitreichend die Folgen und Konsequenzen des Brexit sind. Die starke und im Rahmen der europäischen Integration gewachsene Verflechtung insbesondere im Bereich des Rechts stellt sich nun als große Herausforderung dar. Freilich haben die Medienmacher ein großes Interesse, dass die derzeitge Situation unverändert bleibt, so Kraus weiter. Erforderlich sei dafür aber ein hohes Maß an Pragmatismus. So müsse man sich fragen, wie bspw. das Herkunftslandprinzip weiter aufrecht erhalten werden könne, wenn gleichzeitig der Europäische Gerichtshof im Streitfall keine Zuständigkeit mehr besitzt.

„Wir müssen zusammenstehen, um die europäische Kultur zu verteidigen und zu fördern“, sagte  Richard Hooper, Vorsitzender der Broadband Stakeholder Group. In Hinblick auf die zukünftigen Herausforderungen der Medienwirtschaft konkretisierte Hooper, dass Großbritannien einen großen Einfluss auf die europäischen Regulierungspolitik gehabt habe und daher seine Positionen vermutlich nicht ändern werde. Er forderte, dass die britische Regulierung auch zukünftig so zu gestalten sei, dass sie als gleichwertig mit dem europäischen Regulierungsrahmen angesehen werden kann. Zum anderen sollten die EU-Länder das Herkunftslandprinzip trotz Brexit nicht zugunsten nationaler Vorteile einschränken.

Daniel Friedlaender, Leiter des EU-Büros der Sky Group in Brüssel, sprach sich für eine pragmatische Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure aus und für eine Lobbyarbeit der Medienwirtschaft auf europäischer Ebene. Abstimmungen in den nationalen Parlamenten zu Themen wie dem Herkunftslandprinzip könnten zu Verunsicherungen führen und neue Investitionen in der Medienwirtschaft verhindern.