Pressemitteilung

Nachrichten für Kinder: Sachlichkeit und Orientierung

Leipzig, 3. Mai 2017 – Selbst Erwachsene haben oft Schwierigkeiten, Nachrichten zu verstehen und Berichte über Anschläge, Bilder von Katastrophen oder das komplexe politische Weltgeschehen einzuordnen und zu verarbeiten. Daraus ergibt sich die Frage, wie wir die Nachrichtenlage unseren Kindern erklären: Was kann man Kindern zumuten? Wie kann altersgerecht erklärt werden? Was muss pädagogisch beachtet werden. Über diese und andere Frage diskutieren Medienmacher am Mittwoch auf dem Panel „Kindern die Welt erklären“ im Rahmen der Medientage Mitteldeutschland. Es moderierte Nadine Lindner, Korrespondentin Hauptstadtstudio Deutschlandradio.

Eva Radlicki, Redaktionsleiterin Information der HR Kinder und Jugend ZDF, berichtete vor dem Hintergrund ihrer praktischen Erfahrung, wie wichtig es ist, die Perspektive von Kindern einzunehmen, um Kindern erfolgreich Nachrichten zu vermitteln. Gerade bei der journalistischen Arbeit für Kinder sei es oft wichtig, eine Meldung erst selbst zu verarbeiten, um sie mit Abstand kindgerecht präsentieren zu können, so Radlicki. Für Kinder haben Nachrichten einen hohen Orientierungswert, da kaum ein Kind jeden Tag Nachrichten guckt. Daher sei es oft wichtiger zu berichten, wie mit einem Ereignis umgegangen wird, anstatt den Anlass einer Nachricht in allen Details zu erklären.

Auch Michael Stumpf, Programmgeschäftsführer des KiKa, wies darauf hin, dass Kinder gerade vor dem Hintergrund von Terroranschlägen oder Katastrophen eine schnelle Einordnung brauchen, um sich selbst abzusichern, dabei gebe es keine Tabu-Themen. Handwerklich habe sich in den letzten Jahrzehnten nicht viel verändert, so Stumpf weiter. Allerdings stünden mit der Entwicklung des Internets neue Kanäle zur Verfügung, die bespielt und in das Programm eingebunden werden können, um Kinder im Alter von 8 – 13 Jahren zu erreichen.

Dass Nachrichten für Kinder eine wichtige Orientierungsleistung bieten können, berichtete Carolin Ollivier, stellvertretende Chefredakteurin des ARTE Journal, vor dem Hintergrund der Entwicklung in Frankreich. Nach dem Terroranschlag auf Charlie Hebdo sei in Frankreich neben vielen anderen Bereichen auch die außerschulische Bildung und Wertevermittlung in Frage gestellt worden. Dabei seien die Debatten oft mit Themen wie der französischen Identität und die Ursachen für den Weg in die Radikalität verknüpft. Hier gelte es, so Ollivier weiter, einen „kühlen Kopf“ zu bewahren und möglichst sachlich über das Geschehene zu berichten.

Dabei sei eine besondere Herausforderung, das Kinder häufig einzelne Informationen aufnehmen und vermengen, so Ira Kugel, Leiterin der Redaktion dpa-Nachrichten für Kinder: „Je weniger Informationen Kinder bekommen, desto eher setzten sie Puzzle zusammen und es kommt zu Vermischungen“. Und umso wichtiger sei es sicherzustellen, dass die redaktionell erstellten Beiträge auch von Kindern verstanden werden, etwa durch Besuche an Schulen.