Pressemitteilung

Personalisierter Content: Fluch und Segen zugleich

Leipzig, 11. Mai 2016 – Vor dem Hintergrund der neuen EU-Datenschutz-Grundverordnung diskutierten am Mittwoch im Rahmen des Medientreffpunkt Mitteldeutschland Vertreter von Regulierungsbehörden, Datenschützern und Unternehmen die rechtlichen Aspekte der Personalisierung von Content. Eingeleitet wurde die in Zusammenarbeit mit der Mitteldeutschen Vereinigung für Medienrecht e.V. konzipierte Veranstaltung von einem Impulsvortrag zu einem neuen personalisierten Kinder- und Jugendangebot des MDR, das derzeit entwickelt wird. Es moderierte  der ARD-Sprecher Steffen Grimberg.

Ein Drittel der 3- bis 8-Jährigen geht heute ohne elterliche Aufsicht ins Internet. Daher sei die Beschäftigung mit der Möglichkeit der Personalisierung von Inhalten für Kinder eine wichtige Frage, sagte Jörg Wiesner, Hauptredaktionsleiter Junge Angebote beim MDR, in Hinblick auf das neue Jugendangebot des MDR. Grundidee sei die eines Radios, das im Rahmen einer App durch weitere multimediale Inhalte ergänzt werde.  Das neue Angebot würde Kindern einen „geschützten Raum“ im Internet zur Verfügung stellen, ergänzte Daniel Vogelsberg, mitverantwortlich für das Kindermedienangebot in Halle.  Inhalte sollen abhängig von Stimmung, Ort und  Vorlieben der Nutzer präsentiert werden, es bestehe aber kein Personalisierungszwang, so Vogelsberg weiter.

Voraussetzung für die Verarbeitung von personenbezogenen Daten ist aber die Einwilligung der Nutzer, betonte Volker Tripp, politischer Geschäftsführer des Digitale Gesellschaft e.V. Inwieweit eine solche Einwilligung bei einer selbständigen Mediennutzung durch Kinder vorliegt, sei fraglich. Auch andere Technologien wie die Geolokalisierung bewertete Tripp als problematisch, wenn diese mit personenbezogenen Daten verbunden und gespeichert würden.

Sabine Christmann, geschäftsführende Gesellschafterin  TMT Pilot , bezeichnete die Personalisierung als „Fluch und Segen zugleich“:  Sie habe einen hohen Mehrwert für die Nutzer und erlaube zudem der Contentindustrie, personalisierte Geschäftsmodelle im Markt zu etablieren. Andererseits sei die Auswertung von persönlichen Daten insbesondere dann problematisch, wenn Anbieter ihre Inhalte an Plattformbetreiber weitergeben, die wiederum eigene Dienstleister zur Datenverarbeitung beauftragen können. Am Ende herrsche Unklarheit darüber, wo Inhalte kommerzialisiert werden.  Christmann plädierte daher für mehr Transparenz und die konsequente Anwendung der vorhandenen rechtlichen Instrumente.

Für Jan Kottmann (Leiter Medienpolitik bei Google Deutschland) ist die Personalisierung von Inhalten hingegen weder Fluch noch Segen, sondern schlicht die Voraussetzung, um den Nutzern qualitativ hochwertige Suchergebnisse anbieten zu können. In Hinblick auf die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung  zeigte sich Kottmann „skeptisch optimistisch“: Zwar hoffe er auf Rechtssicherheit durch neue Grundverordnung, fraglich sei aber, wie das „legislative Monster“ in einzelnen Staaten umgesetzt werde. Angestrebt werden müsse eine Vollharmonisierung in Europa, so Kottmann weiter.

Wie schwierig es ist, die Thematik rechtlich zu fassen, machte Verena Schneider (Bereichsleiterin Recht der Medienanstalt Sachsen-Anhalt) deutlich. So könne man in dem Moment, in dem sich eine neue Technologie etabliert, die datenschutzrechtlichen Probleme oft noch gar nicht absehen.  Vor dem Hintergrund der sich ständig wandelnden Medienwelt sprach sich Schneider für eine Rahmengesetzgebung aus, die den Landesmedienanstalten erlaube, mit eigenen Setzungen zu agieren.